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Psychische Gesundheit/Krankheit

Alle Menschen oszillieren zwischen körperlicher und psychischer Gesundheit und Krankheit. Niemand ist völlig gesund und niemand ist völlig krank. Im Laufe der Lebensspanne entwickelt fast jeder Mensch eine psychische Erkrankung. Eine Diagnose bedeutet jedoch nicht in jedem Fall, dass eine therapeutische Intervention notwendig ist. Der zentrale Schritt in Richtung der Erhaltung von psychischer Gesundheit bzw. Gesundung ist der Mut in Kontakt zu treten und offen über die aktuelle Situation zu sprechen. Die größte Gefahr zu erkranken besteht in der Versuchung alle Konflikte alleine auszutragen und Symptome auf eigene Faust zu therapieren. Psychische Erkrankungen sind gut behandelbar, wenn evidenzbasierte Methoden zur Anwendung kommen. In der Regel bedeutet dies eine Kombination psychopharmakologischer und psychotherapeutischer Interventionen. Beide Prozesse benötigen ausreichende Ressourcen, um die medizinischen Themen und psychologischen Momente eingehend behandeln zu können. Im Mittelpunkt steht letztlich die therapeutische Beziehung, deren Transparenz, Differenziertheit und Authentizität über den Erfolg der Therapie entscheidet.

Gesellschaftliche Bedeutung

In einer Zeit der ökonomischen Neuorientierung und Flexibilisierung sozialer Bezugssysteme erfährt psychische Gesundheit eine zunehmende individuelle und gesellschaftliche Bedeutung. Nach Schätzungen der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) werden in Industrienationen im Jahre 2030 fünf psychiatrische Diagnosen (Depression, Alkoholabhängigkeit, Demenz, Schizophrenie und Bipolare Störungen) die Liste der Top-10 Erkrankungen dominieren. Schon heute leiden in Europa 38% der Bevölkerung innerhalb eines Jahres an psychischen Erkrankungen, die zudem somatische Erkrankungen als primäre Ursache für vorzeitige Pensionierungen abgelöst haben. In Analogie entwickelt sich im Zuge des technologischen Fortschrittes und dem Primat informationsverarbeitender Systeme die Komplexität des menschlichen Gehirns zum zentralen Forschungsinteresse des 21. Jahrhunderts. Die Entwicklung moderner psychiatrischer und psychotherapeutischer Methoden offeriert bereits schon heute effektive und hochtolerable Prozesse mit dem Anspruch auf Remission (vollständige Gesundung) von PatientInnen.  Die maßgeblichste Hürde für eine adäquate Versorgung von Patientin mit psychischen Erkrankungen ist nach wie vor deren Diskriminierung.